
Zwei Generationen Unterschied, dieselbe Passion fürs Schreiben: Hans Beat Achermann (M.) im Gespräch mit Simone Lappert und Klaus Merz.
Schreiben kennt kein Alter
Rund 180 Leute interessierten sich für das literarische Wirken von Klaus Merz (80) und Simone Lappert (40). Es war die erste Veranstaltung im Rahmen von «Das hohe Alter». Ein grosser Erfolg.Von Eva Holz (Text) und Marco von Ah (Bild)
Eilig mussten zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden, um dem überwältigenden Andrang im Bringolfsaal des Hotels Schweizerhof gerecht zu werden. Zu Gespräch und Lesung geladen hatten das Forum Luzern60plus und die «LiteraturGesellschaft Luzern» (LGL). «Schreiben in verschiedenen Lebensaltern» hiess der Titel der Veranstaltung vom 28. März 2025, die den Auftakt der Sensibilisierungskampagne «Das hohe Alter» bildete.
Nach der Begrüssung durch Heidy Steffen vom Forumsausschuss und LGL-Präsidentin Regula Jeger wollte Moderator Hans Beat Achermann von Klaus Merz und Simone Lappert wissen, was die Triebfeder ihres Schreibens sei. Dabei zog er den kürzlich verstorbenen Peter Bichsel heran, der nach eigenen Worten nur deshalb schrieb, weil er schlecht Fussball spielte.
Zwei Generationen
«Ich habe mit sechzehn gemerkt, dass ich nur schreibend die Welt, die mir Angst macht, benamsen kann», sagte Merz, derweil Lappert sich schon als Kind mit Schreiben eigene Welten erschuf. «Das eigentliche Leben beginnt aber erst mit vierzig, alles zuvor ist Recherche», meinte sie lachend.
Zwei Generationen trennen den preisgekrönten Literaten aus dem Aargau von der aufstrebenden Literatin aus Zürich, was sich an diesem Abend durchaus bemerkbar machte. Klaus Merz las sitzend aus seinen Gedichten, die Erinnern, Wehmut, Reflexion zum Thema haben. Simone Lappert performte stehend vor dem Mikrofon tiefgreifende Mutmassungen des Alltags.
Die Passagen aus Merz’ Novelle «Der Argentinier» und aus Lapperts Roman «Der Sprung» zeigten, wie gut beide beobachten und wie präzis sie das Essenzielle in Worte fassen. Gleichwohl auch hier der Generationenunterschied: der eine blickt tendenziell zurück, die andere zur Seite und nach vorn. Am ähnlichsten sind sie sich in ihren Aphorismen.
Aufhören oder weiterschreiben?
«Was lässt sich von den Alten lernen, was von den Jungen?», fragte Hans Beat Achermann. Man könne immer und von allen lernen, sagte die Vierzigjährige, während der Achtzigjährige überzeugt ist, dass man nicht den Alten, sondern den Jüngsten zuhören soll, dass das Kindliche («nicht das Kindische!») der wahre Fundus zum Lernen sei.
So richtig lebendig fühlen sich jedenfalls beide beim Schreiben. Doch «Schweigen wäre auch eine Möglichkeit, lebendig zu bleiben», fand Merz zum Schluss und bekannte, nach über fünfzig Jahren Schriftstellerei wohl damit aufzuhören, also weiterzugehen «ohne Griffel als Geh-Hilfe». Bei Simone Lappert verhält es sich anders: «Solange sich Fragen stellen, will ich schreiben.»
Das Publikum hörte dem abwechslungsreichen, gekonnt geführten Gespräch gebannt zu und wandte sich danach gut gelaunt Büchertisch und Bar zu.
29. März 2025 – eva.holz@luzern60plus.ch